Wenn Legionellen schlafen gehen

Wieso kommt es gerade nach temporären Desinfektionsmaßnahmen so häufig zu einem sprunghaften Anstieg der Legionellen-Beprobungswerte?

Legionelle - Kontrolle und Desinfektion

Immer wieder ist zu beobachten, dass speziell nach thermischen oder chemischen Desinfektionsmaßnahmen in Trinkwasserinstallationen die nächste Kontrolluntersuchung einen deutlichen Anstieg der Legionellenanzahl (KBE) aufzeigt. Und das, obwohl die Werte direkt nach der Desinfektion zunächst in Ordnung waren. In diesem Artikel möchten wir Ihnen anschaulich erklären, wie dieser Effekt zu verstehen ist.

Labortechnischer Nachweis

Betrachten wir zunächst die Methode des labortechnischen Nachweises:

Um prüfen zu können, ob in einem Gebäude Legionellenbefall vorliegt, muss ein akkreditierter Probennehmer kommen. Dieser Fachmann der Wasserentnahme nimmt an verschiedenen Stellen der Wasserinstallation Proben.

Im Labor werden die Proben anschließend in einer Petrischale mit Nährboden 10 Tage lang bei 36°C "bebrütet". Danach zählt man die sogenannten koloniebildenden Einheiten (KBE). Hierbei handelt es sich um die Anzahl der durch vermehrungswillige Bakterien entstandenen Kolonien. Man ermittelt mit dieser Methode nicht die Anzahl der tatsächlich im Wasser enthaltenen Legionellen, sondern stellt lediglich fest, wie viele davon willig und fähig zur Vermehrung sind.

Doch ist diese Messung gibt leider oft keinen Aufschluss über die tatsächliche Gefährdung.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Bakterien unter Stress in den sogenannten VBNC-Zustand wechseln ("viable but non culturable"; lebend, aber nicht kultivierbar). Dieser Zustand kann zum Beispiel durch ungünstige Umgebungstemperaturen, Nährstoffmangel oder die Anwesenheit von Desinfektionsmitteln ausgelöst werden. Bakterien im VBNC-Zustand vermehren sich nicht mehr. Deshalb bilden sie keine Kolonien, obwohl ihre Lebensfähigkeit erhalten bleibt. VBNC-Bakterien lassen sich nur mittels kultivierungsunabhängigen Verfahren nachweisen, was aber mit deutlich höheren Laborkosten verbunden ist. Bakterien im VBNC-Zustand weisen Atmungs- und Stoffwechselaktivität auf, besitzen eine intakte DNA und funktionstüchtige Zellmembranen. Werden die Lebensbedingungen nach erfolgter Desinfektion wieder günstiger, so verlassen die Bakterien den VBNC-Zustand und reagieren mit deutlich erhöhter Vermehrungsaktivität.

Wird nun die zwingend vorgeschriebene weiterführende Trinkwasseruntersuchung durchgeführt, ist das Ergebnis der Untersuchung deutlich höher, als vor der Desinfektionsmaßnahme.

Deshalb sind Desinfektionsmaßnahmen, welche die Nahrungsgrundlage und den Lebensraum der Bakterien - den Biofilm - nicht aus dem Trinkwassersystem entfernen können, nicht erfolgversprechend und damit meist sinnlos.

Lesen Sie hier, welche Verfahren in der Lage sind Biofilm abzubauen...hier

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